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Hier geben wir ihnen eine kleine historische Erklärung und Betrachtung der Trachtenmode von ihren Ursprüngen bis hin zu unserer Zeit:

 


Bauernmädchen aus dem Miesbacher Oberland.

Das Wort „Tracht“ leitet sich von „tragen“ ab und bedeutet ursprünglich ganz allgemein „das Tragen; das Getragenwerden; das, was getragen wird“ (Duden, Herkunftswörterbuch).
Die Trachtenbekleidung ist also die Ursprünglichste aller Bekleidungsarten.

Salopp erklärt ist Dirndl die bayerisch-österreichische Bezeichnung für die hochdeutsche "Dirne" oder niederdeutsche "Deern". Darunter versteht man ein junges Mädchen. Das von diesem jungen Mädchen getragene Kleid bezeichnet man als "Dirndlgwand". Heutzutage vielfach zu "Dirndl" verkürzt. Das "Dirndl" als Gewand setzte sich in den Jahren 1870 bis 1880 in der Oberschicht der "Sommerfrischler" als modernes Kleid durch.

Die Kleidung war und ist immer ein sichtbares Zeichen ihrer jeweiligen Zeit. Sie ist Ausdruck für die politische und wirtschaftliche Situation sowie die soziale Stellung des Einzelnen. Besonders charakteristische Elemente prägten darüber hinaus die Kleidung in den unterschiedlichsten Gebieten und Regionen. Aber auch in die regionalgebundene Kleidung, in die Tracht, flossen stets langsam und verzögert – meistens im Generationswechsel – modische Veränderungen ein. Somit war die Tracht auch immer ein Spiegelbild ihrer Zeit.


Katholische Hessentracht aus Mardorf.

Das Kleidungsverhalten steht auch im engen Zusammenhang mit dem Brauchtum. Dieses ist stark mit der Kirchen, den Konfessionen, verknüpft. Katholische und evangelische Gebiete unterschieden sich sichtbar durch ihre spezifische Tracht. War die Tracht in katholischen Gebieten meist bunt und farbenfroh, so spiegelten sich in evangelischen Trachten die nüchternen und klaren Formen und Linien der Reformation wieder.

Auch innerhalb der Dorfgemeinschaft sprach die Tracht ihre spezielle Sprache. So war erkennbar, ob jemand in Freud oder Leid, verheiratet oder ledig war, ob Hochzeit, Konfirmation oder Kommunion gefeiert wurde usw.

Dazu hier ein Beispiel, das man auch heute praktizieren kann und das für Kenner immer noch seinen speziellen Reiz hat: Es handelt sich dabei um die Position der gebundenen Schleife bei der Dirndlschürze. Sie symbolisiert den ehelichen Status der Trägerin:

  • Schleife auf der rechten Seite: „bereits vergeben – verheiratet“.
  • Schleife auf der linken Seite: „noch zu haben – ledig“.
  • Schleife vorne in der Mitte: „Jungfrau“.
  • Schleife hinten am Rücken: „verwitwet“.

Somit war und ist  die Trachtenbekleidung ein Ausdruck der Zeit, der Region und des einzelnen Menschen.


Oberbayerisches Paar aus Kochel.

„Zurück zur Natur“ ist heute ein gern gelebter Slogan. Unseren Altvorderen blieb gar nichts anderes übrig. Tracht gab es schon zu Zeiten, als der Begriff noch mehr oder weniger wertfrei war: Kaiser Karl der Große etwa wusste bereits den Kleidungsstil des einfachen Landvolks zu schätzen.. Der Sage nach war er aber Frauenkenner genug, um von seinen Frauen und Töchtern nicht das gleiche zu erwarten: Sie durften ohne Scheu den größten Kleiderluxus entfalten. Die byzantinischen Seidenstoffe waren viel zu prächtig anzusehen, als das man dieser Verlockung hätte widerstehen können. Karl griff zu einer List, um seinem Gefolge den Vorteil des einfacheren Kleidungsstil seines Landvolkes näher zu bringen: Er nahm sein Gefolge, welches in prunkvolle Gewänder aus fremdländischen Stoffen gekleidet war, mit auf die Jagd. Die vornehme Gesellschaft musste den ganzen Tag bei regen und Sturm mit ihm durch dick und dünn reiten. Als man dann abends auf die heimatliche Burg zurückkehrte, hing die ehemals herrliche Seidenpracht in unansehnlichen nassen Lumpen von den Leibern der adeligen Gesellschaft. Karls Lodengewand und sein Schafspelz hatten alle Strapazen unbeschadet überstanden.

In der Regel konnte sich die früher meist ärmere Bevölkerung nur die heimischen, seit Jahrhunderten gebräuchlichen Materialien leisten: Leinen, Loden und Leder, in einfachen, altbewährten Farben und Formen, strapazierfähig und praktisch. Bis heute ist die Tracht gegenüber der neuen, sich schnell ändernden „modischen“ Bekleidung im Vorteil. Was heute an Form und Farbe „In“ ist, kann man oft schon im nächsten Jahr in die Kleidertonne oder zur Kleiderkammer geben, denn es ist bereits wieder „Out“ und vom nächsten Trend überholt.
Ganz anders die Trachten- und Landhausmode. Sie ist qualitativ hochwertiger, zeitlos und kann aufgrund der überragenden Materialqualitäten über Jahre getragen werden, ohne „aus der Mode“ zu kommen.


Kaiser Franz Joseph I. in Ischl.

Den großen Durchbruch verdankt die Tracht zwei Österreichern.  Einmal war da Erzherzog Johann. Er kleidete sich gerne in seine einfache graue Lodenjacke. Dazu ein Leinenhemd, die Lederhose, Haferlschuhe und Filzhut. Er legte seinem Großneffen, dem späteren Kaiser Franz Joseph I, die Liebe zur Tracht buchstäblich in die Wiege: Er schenkte ihm zur Taufe einen Steirerhut. Und als er den sechzehnjährigen Franz Joseph zur Jagd einlud, verband er diese Einladung mit der Bitte, in steirischer Tracht zu kommen. Franz Joseph folgte diesem Verlangen – und hielt der Jagd und der steirischen Jagdbekleidung lebenslang die Treue. Er ging allerdings nicht soweit wie sein Schwiegervater, Herzog Max in Bayern, der einer Überlieferung nach sogar die Cheopspyramide in Tracht bestieg. Und dem nicht genug, an der Spitze angelangt, auf seiner Zither bayerische G´stanzeln zum besten gab!

Kaiser Franz Joseph hatte eine besondere Beziehung zum Salzkammergut, vor allem zu Bad Ischl. Er blieb dieser Kurstadt mit ihren Solebädern und seiner Trachtenbekleidung auf Lebenszeit verbunden. Jeden Sommer verbrachte er in diesem idyllischen Ort an der Traun, in dem sich ein Badeleben großen Stils entwickelte.


Moritz Fürst zu Hohenlohe-Schillingsfürst mit seiner
Frau Hanna

Dem Kaiserpaar folgend verbrachte die elegante Welt ebenfalls den Sommer in Ischl und gefiel sich, dem Beispiel Franz Josephs folgend, im zünftigen G´wand der einheimischen Jäger. Die weiblichen Teilnehmer der „Jagdpartien“ wählten ebenfalls die Lodenjoppe der Männer und trugen dazu statt der Lederhose einen sportlich geschnittenen, bequemen Rock – das Trachtenkostüm war kreiert!

In diesem Dunstkreis wurde auch das „Lederg´wand“, das Mitte und Ende des 19. Jahrhunderts etwas von der Bildfläche verschwunden war, wieder en vogue. Internationalen Aufschwung erhielt die Trachtenmode nach dem Zusammenbruch der Monarchie durch die im Jahre 1920 gegründeten Salzburger Festspiele. Die erste Aufführung von Hugo von Hofmannsthals „Jedermann“ war übrigens eine reine Wohltätigkeitsveranstaltung. Die Schauspieler erhielten kein Honorar, sondern Geschenke: Werner Krauss, der den Tod spielte, wünschte sich – und bekam – eine Lederhose!

Die Künstler um Max Reinhardt bevölkerten in den Sommern der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen Salzburg und das Salzkammergut stilgerecht im Leinenjopperl und Dirndl. Helene Thimig etwa, Paula Wessely, Lotte Lehmann und Hugo von Hofmannsthal, um nur einige zu nennen. Sie wurden zu Botschaftern der Trachtenmode. Aber internationale Berühmtheit errang dieser Bekleidungsstil wohl durch eine Frau: Marlene Dietrich. Die Femme fatale des deutschen und amerikanischen Films erregte im Salzkammergut riesiges Aufsehen, als sie eines Tages in Männertracht – heute würde man sagen im Hosenanzug im Trachtenlook – in einem Boot über den See ruderte. Zu dieser Zeit wagte es noch keine der einheimischen Frauen, sich  derart gewandet in der Öffentlichkeit zu zeigen. Aber Marlene Dietrich zeigte sich nicht nur im Lodenanzug, sondern auch im schlichten Trachtenkostüm mit flottem Hütchen. Und der Herzog von Windsor – der in der Herrenmode den Ton angab – nahm Trachtenhut und Hubertusmantel mit ins heimatliche England.


Salzburger Festspielprominenz im Trachtenlook:
Links: Lotte Medelsky und Attila Hörbiger – Rechts:  Marlene Dietrich



Links: Paula Wessely – Rechts: Siegmund Freud mit Tochter Anna in der Sommerfrische

Jetzt auch international anerkannt begann damit der Siegeszug der niveauvollen Trachten- und Landhausmode, der bis heute anhält.

Egal ob auf der weltberühmten „Wies´n“ – dem Münchner Oktoberfest – bis hin zum einzigartigen Altstadtfest in Nürnberg – Mann und Frau tragen wieder Tracht. Aber auch zur Hochzeit, zum Betriebsjubiläum, in die Oper oder ganz einfach zünftig im Biergarten – die Tracht ist „In“.

Gerade junge Leute entdecken wieder den unwiderstehlichen, reizvollen Chic und Charme der Trachtenwelt.

Lassen auch Sie Sich anstecken und kommen Sie zu Trachten Hülf Landhausmoden in Nürnberg. Wir freuen uns auf Sie und beraten Sie gerne.

 

Quellen:
"Das Dirndl" von Gexi Tostmann
Das 36. Nürnberger Altstadtfest

 

Weitere Bilder und Fotos:


Frauen aus Friedberg in altbayerischer Tracht

 


Frauen aus Mardorf in katholischer Hessentracht

 


Schwarzwälderin aus dem Gutachtal im Bollenhut

 


Altbayerische Festtracht aus Friedberg

 


Die unbekannte Schöne.